So entwickeln Sie bahnbrechende Ideen – ganz ohne Brainstorming

„Wir haben ein Problem, und da brauchen wir ein paar gute Ideen, wie wir das lösen. Ich lade mal die Kollegen zu einem Brainstorming ein, uns wird dann schon was einfallen.“ Wahrscheinlich laufen Problemlösungsprozesse in über 90 Prozent der Fälle so ab. Dabei ist das Brainstorming erwiesenermaßen keine gute Idee, wenn es darum geht, gute Ideen zu entwickeln. Da gibt es deutlich Besseres.

Design Thinking: Kreativ und innovativ Probleme lösen

Ein Kunststoffhersteller hatte mich eingeladen, seinen Mitarbeitern aus der Entwicklungsabteilung zu zeigen, wie sie Design Thinking für die Produktentwicklung nutzen könnten. In der Vorbereitung überlegte ich mir, welches Thema für das Seminar in Frage käme. Sollte ich den Teilnehmern den Design-Thinking-Prozess anhand eines ganz normalen Alltagsgegenstands nahebringen? Oder doch lieber ein Produkt aus ihrem Arbeitsumfeld bzw. einem aktuellen Entwicklungsprojekt wählen? Irgendwann entschied mich für eine durchaus provokante Aufgabenstellung: Die Teilnehmer sollten sich damit beschäftigen, wie sie Plastikmüll vermeiden können. Ganz konkret ging es um die Deckel und Strohhalme von Wegwerf-Kaffeebechern, wie sie weltweit jeden Tag millionenfach verkauft und weggeworfen werden – denn sie sind zu klein, um sie zu recyceln. Die Inspiration für diese Aufgabe hatte ich von openideo.com, einer Plattform zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.

Der Durchbruch: Über 100 Ideen in kürzester Zeit

Im Rahmen des Design-Thinking-Prozesses recherchierten die Teilnehmer dann sehr intensiv, welche Bedürfnisse Kaffeetrinker haben: In Interviews fanden sie heraus, warum Kaffeetrinker eigentlich Deckel und Strohhalme brauchen bzw. was es auslöst, wenn sie diese Dinge nicht haben. Die Mitarbeiter erstellten aber auch Personas von Kaffeetrinkern, also Profile von fiktiven Personen mit konkreten Eigenschaften und Nutzungsverhalten. Auf Basis dieser Recherchen konnten wir dann genau definieren, für welches Problem die Teilnehmer eine Lösung suchen sollten:

Wie können wir weiterhin To-Go-Getränke anbieten und dabei die Entstehung vom Müll verhindern?

Dann begann die spannende Phase der Ideen- bzw. Lösungsfindung. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern: Es war am späten Nachmittag um 18 Uhr, die Teilnehmer nach einem langen Tag schon relativ erschöpft. Mit verschiedenen Kreativitätstechniken entwickelten sie etliche Lösungsansätze. Und lehnten sich irgendwann energielos zurück. In dieses Loch fallen meiner Erfahrung nach alle Gruppen, die diesen Ideenfindungsprozess durchlaufen. Es gilt dann, hartnäckig zu bleiben und die Gruppe noch einmal so richtig herauszufordern. Das tat ich. Eine halbe Stunde später hatten alle zusammen einen richtigen Höhenflug – eine gute Idee nach der anderen kam, irgendwann waren es über 100. Die Teilnehmer waren begeistert – damit hatte keiner gerechnet.

Kreativität entsteht dort, wo wir einen anderen Blickwinkel einnehmen

Am nächsten Tag bestimmte die Gruppe die besten Ideen und schrieb kleine Konzepte dazu. Aus diesen Konzepten wählte sie dann wiederum die drei besten aus und baute Prototypen – aus Papier, Draht, Pappe, Klebeband und anderen Materialien. Ein Prototyp war beispielsweise so gestaltet, dass er nur aus einem Material und einem Stück bestand – eine wichtige Voraussetzung für eine leichte Entsorgung.Den Abschluss des Design-Thinking-Prozesses bildete dann der Test der Prototypen: In kleinen Teams stellten die Teilnehmer einander die Prototypen vor und bewerteten sie gegenseitig: Wie funktional waren sie? Wie gut durchdacht? Was könnte daran noch verbessert werden?

Was die Mitarbeiter des Kunststoffherstellers aus diesem Seminar mitnahmen:

  • Sie erlebten den Design-Thinking-Prozess. Und indem sie ihn erlebten, verstanden und verinnerlichten sie ihn auch. Sie erkannten außerdem, wie wichtig es für jede Form von Ideengewinnung es ist, die Probleme der Nutzer bzw. Zielgruppen genau zu erforschen und zu verstehen.
  • Und sie erfuhren, dass Ideengeneration nicht funktioniert, indem sie sich eine halbe Stunde in einen Meeting-Raum setzen und gemeinsam mit anderen ein Brainstorming machen. Um Kreativität in Gang zu bringen, braucht es zwingend einen anderen Blick auf die Dinge – nämlich den Blick derjenigen, die das Produkt und die Dienstleistung tatsächlich nutzen.
By | 2018-03-08T09:19:36+00:00 März 1st, 2018|Uncategorized|0 Comments

About the Author:

Florian faszinieren die Entstehungsprozesse für Produkte oder auch Geschäftsmodelle. Er möchte die Menschen dazu bewegen mit Leichtigkeit und viel Spaß ins kreative Machen zu kommen und innovative Produkte zu entwickeln. Er war jahrelang im industriellen Mittelstand tätig von der Produktionsoptimierung bis zur Produktentwicklung. Heute begleitet er seine Kunden entlang des gesamten Innovationsprozesses, vom ersten Funken bis zum fertigen Produkt.

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